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11.01.2023

Von überregionaler Bedeutung

Die spannende Restaurierungsgeschichte des Eichstätter Domportals

Ein Kunstwerk von internationalem Rang – das Hauptportal des Eichstätter Doms. Untersuchungen der Restaurierungsgeschichte des hochmittelalterlichen Portals ermöglichten Rekonstruktionen der verschiedenen bauzeitlichen Farbfassungen des Tympanons. Foto: Pro Denkmal

Im Zuge der Gesamtsanierung des Eichstätter Doms geht zur Zeit der Blick zurück auf Untersuchungen eines „Kunstwerks von internationalem Rang“, wie Kunsthistorikerin Dr. Claudia Grund sagt. Gemeint ist das in der Zeit der Hochgotik entstandene Hauptportal der Kathedrale, das sich unüblicherweise an der Nordseite des Gotteshauses befindet. 

In einem gut besuchten Vortrag gab Grund kürzlich Einblick in die Dokumentationen zweier externer Expertenteams, die in den Jahren 2004 und 2010 aufwendige restauratorische Untersuchungen an dem aus Öttinger Sandstein gearbeiteten Figuren- und Ornamentschmuck in der kreuzrippengewölbten Vorhalle vorgenommen hatten.

Die Entstehung des Tympanonreliefs, in dem – für einen Mariendom naheliegend – das theologische Programm der Mariologie ikonografisch entfaltet wird, ist ziemlich exakt zu datieren. Ein über allem schwebender Engel trägt ein Schriftband mit der Jahreszahl 1396 und im Bogenfeld darunter sind kniend die Erbauer des Doms, die Bischöfe Raban Truchseß von Wilburgstetten und dessen Nachfolger Friedrich IV. Graf von Oettingen, zu sehen.

Zentral dargestellt sind der sogenannte Marientod unten und – verbunden durch den stehenden Jesus, der ein Kind (Sinnbild der Seele Mariens) auf dem Arm trägt – die obere Szene, in der die Gottesmutter als Himmelkönigin zur Rechten ihres gekrönten Sohnes thront.

Die Arbeit der Restauratoren am Portal förderte sozusagen dreierlei zu Tage: greifbare Material- und Farbbefunde, Erkenntnisse über den Wandel des Kunstgeschmacks einerseits und die unterschiedliche Qualität der restauratorischen Standards früherer Epochen andererseits. Vier große Überarbeitungen (1619, 1721, 1892 und 1945) erfuhr das Portal im Zuge baulicher Veränderungen oder Erweiterungen der Bischofskirche. So wurden verschiedene, dem Zeitgeschmack entsprechende Übermalungen in bis zu sieben Schichten aufgebracht oder auch, zum Teil brachial, wieder entfernt. Dadurch ging die Wirkung der einzelnen Figuren und insbesondere der Gesichter in ihrer sehr differenzierten und detaillierten künstlerischen Gestaltung mehr und mehr verloren.

Keine Rekonstruktion

Bei der bevorstehenden Sanierung wird es nicht um die Rekonstruktion dieser oder jener Fassung gehen. Das Figurenensemble, die Rückflächen und Rippen, die Baldachine und der Schlussstein werden gereinigt und gefestigt, Schäden gesichert, Einzelheiten teilweise freigelegt, vorsichtige Retuschen vorgenommen. Was sicher scheint: Die Gesichter der Figuren werden wieder in der Fassung von 1400 zu sehen sein. Der lebendige Ausdruck, das Strahlen der Augen und die blutvoll scheinenden Lippen, von denen die Kunsthistorikerin Grund bei ihrem Vortrag schwärmte, sollen unter der ockerfarbenen, alle individuellen Züge verdeckenden Übermalung hervorgeholt werden.

Michael Heberling


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