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04.08.2021

Was Wiesen, Gärten und Raine hergeben

Was Wiesen, Gärten und Raine am Fest Mariä Himmelfahrt hergeben

Viele Hände machen bald ein Ende: Frauen vom KDFB Röttenbach, hier ein Bild von 2019, werden auch heuer wieder Kräuterbüschel binden. Einige typische Pflanzen, die hineingehören, sind auf dieser Doppelseite zu sehen. Von rechts oben (im Uhrzeigersinn): Schafgarbe, Gerste, Großer Wiesenknopf, Königskerze und Wegwarte.     Foto: Osiander

Kräuterbüschel werden am Fest Mariä Himmelfahrt gebunden und geweiht: Zur Frage des Monats

Rose ohne Dornen, Lilie ohnegleichen – in vielen Kirchenliedern wird die Gottesmutter einer Blume gleichgesetzt. Der Legende nach sollen die Apostel, als sie einst das Grab Mariens öffneten, statt eines Leichnams wohlriechende Blüten und Pflanzen vorgefunden haben. Daran werden die Gläubigen besonders am Fest Mariä Aufnahme in den Himmel erinnert, wenn die Kirchen vom unvergleichlichen Duft bunter Kräuterbüschel erfüllt sind. Aber wer sorgt dafür, dass Wegwarte, Johanniskraut und vieles andere, das an Feldrainen, in Wiesen und Gärten wächst, gesammelt und sorgfältig gebunden wird? Das wollte die KiZ mit ihrer jüngsten Frage des Monats herausfinden.

Vielerorts sind es Mitglieder des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB), die in ihren Zweigvereinen die Kr.uterbüscheltradition pflegen. So etwa in Röttenbach und Mühlstetten, wie KiZ-Mitarbeiter Alois Osiander berichtet. Wobei heuer „die erforderlichen Abstandsregeln beim Flechten und Binden kein so gesellig nahes Schaffen wie vor der Pandemie“ ermöglichten.

Ähnliches erwarten Renate Kerzel und Agnes Hönle vom KDFB Wemding. Heuer wollen sie mit einer etwa zehnköpfigen Truppe etwa 150 Büschel binden und bei den Gottesdiensten in Pfarr- und Klosterkirche anbieten. 2019, im letzten Sommer vor der Pandemie, hatten sie dagegen sage und schreibe 550 Exemplare gefertigt und damit auch die Kirchgänger in der Wallfahrtsbasilika Maria Brünnlein versorgt. „Da haben wir aber auch von zwölf Uhr mittags bis in den Abend hinein gebunden“, erinnert sich Kerzel. Über einen Mangel an Dahlien oder Astern aus Wemdinger Gärten konnten sich die ehrenamtlichen Floristinnen damals wie heute nicht beklagen. „Auch vom Karmel bekommen wir viele Blumen“, freut sich Kerzel.

Unterwegs mit Kindern

KDFB-lerin ist auch Irmgard Knauer aus Aurach. Mit ihrem Zweigverein ist sie gerade dabei, einen Hildegard von Bingen-Garten beim örtlichen Pfarrhaus anzulegen. Darüber hinaus betreut sie seit Jahren die Kräuterbüschel-Aktion an Mariä Himmelfahrt. Unterstützt wird sie dabei von zahlreichen Kindern und Jugendlichen. Auf Knauers Initiative entstand 2010 beim Obst- und Gartenbauverein eine Jugendgrupe, die „Wieseth-Bande“, benannt nach einem Flüsschen, das die Gemeinde Aurach durchquert. Die Mädchen, Buben und auch so manche Eltern, sollten nicht nur hautnah erleben, wie schön die Schöpfung ist, sondern auch Traditionen im Kirchenjahr kennenlernen. Was die Wieseth-Bande bislang auf ihren Streifzügen an Kräutern und Blumen sammelte, deckte längst nicht nur den Eigenbedarf, sondern reichte stets auch noch für bis zu 80 Sträuße, die (bis Corona kam) im Gottesdienst gegen eine Spende angeboten wurden.

Rosa Münch aus Pölling steckt viel Zeit in ihre kirchlichen Ehrenämter. „Mein Mann sagt immer: Wer mich sucht, ruft am besten im Pfarrbüro an“, lacht die 70-Jährige. Die Pfarrgemeinderätin ist zum Beispiel Ansprechpartnerin für die Sternsinger. Sie verstärkt und koordiniert die Kirchenputztruppe und ist eine von sechs Kirchenschmückerinnen, denen das ganze Jahr über die Arbeit nicht ausgeht. Unter anderem binden sie, mit Verstärkung durch weitere Frauen, jedes Jahr bis zu 220 Kräutersträuße. Den Spenden- Erlös soll auch heuer wieder Pöllings Pfarrvikar Chinnapa Reddy Allam für ein Kinderhilfsprojekt in Indien bekommen.

In Pölling gilt die Devise: Es wandern so viele Kräuter in den Strauß, wie es Nothelfer gibt – nämlich 14. Beim Sammeln der Pflanzen bekommt Münch Unterstützung von den Kirchenschmückerinnen Irmgard Blomeier und Christa Ochsenkühn. Praktischerweise fahren sie gleich mit dem Bulldog hinaus zu ihren „Geheimplätzen“ in Feld und Flur. Was sie abschneiden, wandert in große Eimer auf der Ladefläche  des Traktors. Vieles ist noch reichlich zu finden, wie heuer etwa die Königskerze. Rar geworden, so berichten viele Kräuterbüschel-Teams, ist dagegen die echte Kamille.

Seit die Pöllinger Frauen vor etwa zehn Jahren beim Binden im Pfarrgarten von einem Gewitter überrascht wurden, sind sie umgezogen in die Maschinenhalle von Familie Münch, die früher eine Landwirtschaft betrieb. Auf dem uralten, hölzernen Brückenwagen werden die Kräuter und Blumen reihum nach Sorten ausgelegt. Rosa Münch kennt sich aus mit Heilpflanzen, von klein auf. „Als Kind habe ich mit meiner Oma Kräuter gesammelt, mit der Buckel-Kirm“, erinnert sie sich.

Brauch wiederbelebt

Anton Böswald (66) aus Rögling weiß aus seiner Kindheit noch, dass die Bauern im Stall Kräuterbüschel aufhingen. Vertrocknete Exemplare seien verbrannt worden, „etwas Geweihtes hat man nicht einfach weggeworfen“. Später registrierte er, wie das Brauchtum in Rögling immer mehr in Vergessenheit geriet und nur noch wenige ein Kräuterbüschel zur Segnung in die Kirche mitbrachten. Deshalb regte der Vorsitzende und Dirigent der Musikkapelle Rögling seine Truppe 1994 dazu an, diese Tradition wieder aufzunehmen. Seither sammeln viele Freiwillige Blumen und Kräuter. Am Vorabend des 15. August, nach der Musikprobe für den Festgottesdienst, werden daraus Sträuße gebunden, vorwiegend von jungen Musikantinnen und Musikanten. Nach dem Aufräumen wartet dann das Feierabend-Bier. Tags darauf verteilen Mitglieder der Musikkapelle die Kräuterbüschel nach dem Gottesdienst gegen eine Spende. Der Großteil des Erlöses geht an Hilfsorganisationen oder soziale Projekte. Coronabedingt habe die Aktion 2020 leider entfallen müssen, bedauert Böswald. Heuer aber werde wieder gebunden. Weil die Pandemie immer noch den Kreis der Gottesdienstteilnehmer einschränkt, sollen „nur“ etwa 80, 90 Büschel entstehen. Wobei sich Böswald da nicht so sicher ist: „Wenn die Frauen am Werkeln sind“, lacht er, „sind sie nicht zu bremsen“.

Fleißige Damen sind auch in Burgoberbach am Werk: Viele davon sind Mitglieder der örtlichen „Trachtenfrauen“, die sich nicht nur an Mariä Himmelfahrt, sondern auch bei der Palmsonntagsprozession oder beim Leonhardiritt in der Tracht der oberen Altmühl präsentieren. Eine von ihnen, die ehemalige Pfarrgemeinderätin Elfriede Dörr, hat die Kräuterbüschel-Aktion vor fast 20 Jahren initiiert. „Seither machen wir das alle Jahre“, erzählt sie und fügt an: „Wir sind ja lauter ältere Damen und haben jetzt alle Zeit“. Wenn sie im Sommer Radtouren unternimmt, hält Dörr stets Ausschau, wo es etwas zu pflücken oder  zu schneiden gibt. Vor dem Fest sammelt sie mit einigen weiteren Trachtlerinnen dann bis zu 20 verschiedene Kräuter, die sorgfältig zurechtgeschnitten, gebündelt und ausgelegt werden. „Wenn man im Gänsemarsch drum herumgeht und bindet, ist die meiste Arbeit schon getan“, weiß sie. Zur Belohnung gibt es hinterher für alle Helferinnen Kaffee und Kuchen. Wer heuer den Spendenerlös bekommt, weiß Dörr schon: Mit dem Geld wird die Sanierung der Pfarrkirche St. Nikolaus unterstützt, die bereits seit Februar wegen Einsturzgefahr gesperrt ist. 

Gabi Gess


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