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19.02.2016

Wenn sich Priester freitags treffen

Der Bruderschaftsaltar im Willibaldschor im Eichstätter Dom zeigt eine Darstellung der fünf Wunden Christi. In den Gründungs- statuten von 1695 ist festgelegt, dass mit  dem Gebet am Altar ein Ablass erworben werden kann. Foto: Geraldo Hoffmann

Der Bruderschaftsaltar im Willibaldschor im Eichstätter Dom zeigt eine Darstellung der fünf Wunden Christi. In den Gründungs- statuten von 1695 ist festgelegt, dass mit dem Gebet am Altar ein Ablass erworben werden kann. Foto: Geraldo Hoffmann

Pater Gregor Lenzen vom Orden der Passinisten hat die Fünf Wunden-Bruderschaft in Eichstätt wiederbelebt. Sein Kloster an der Heilig Kreuz-Kirche in Eichstätt gehört zur Süddeutschen Vizeprovinz der Kongregation. Im Beinamen heißt diese Provinz „von den Heiligen fünf Wunden“.

Als Pater Gregor 2012 nach Eichstätt kam und  Priesterseelsorger der Diözese wurde, trat Bischof Gregor Maria Hanke mit einer Bitte an ihn heran: Er solle als neuer Vizepräses die Priesterbruderschaft der Heiligen Fünf Wunden wiederbeleben. Ein passender Zufall und eine Aufgabe, die der Passionist gerne annahm.

Gegründet 1695

Am Fest Patrona Bavariae 2013 wandte sich Pater Gregor in einer E-Mail an die Mitglieder der Bruderschaft. Er sei bereit, sich „für die Belebung und geistliche Erneuerung dieser ehrwürdigen Einrichtung zu engagieren“. In dem übers Generalvikariat verbreiteten Schreiben äußerte er den Wunsch, dass die Bruderschaft „neben ihrem bisherigen Charakter als Gebetsgemeinschaft auch zu einem Forum geistlicher Impulse und gegenseitiger Stärkung für die Priester unserer Diözese“ werden solle. Der neue Vizepräses rief, in Abstimmung mit dem Präses, Generalvikar Dompropst Isidor Vollnhals, monatliche Treffen ins Leben. Seit dem 17. Mai 2013 finden diese regelmäßig in einem Tagungsraum im Priesterseminar statt. Waren es zu Beginn noch bis zu 30 Geistliche, so sind es aktuell „noch gut zehn“, die nach Eichstätt kommen. „Es ist noch nicht der große Aufbruch geworden“, zieht Pater Gregor eine Bilanz nach mehr als zweieinhalb Jahren.

In den Gründungsstatuten von 1695 ist die Bruderschaft noch für Mitglieder „utriusque sexus“, also für beiderlei Geschlechts offen. Sie entwickelte sich jedoch zu einer Vereinigung „inter sacerdotes“, der Geistlichen der Diözese. Für Pater Gregor sei auch vorstellbar, dass Seminaristen oder Kapläne der Bruderschaft beitreten und zu den Treffen kommen. Wie Dompropst em. Johann Limbacher berichtet, sei es früher üblich  gewesen, dass Geistliche, nachdem sie eine Pfarrstelle zugewiesen bekommen hatten, im Generalvikariat vorbeikamen, um sich mit eigener Hand in das Bruderschaftsbuch einzutragen. Es sei ein gewisser Automatismus gewesen. Heute werden gut zwei Drittel der knapp 300 Diözesanpriester als Mitglieder im Schematismus aufgeführt. Einer von ihnen: Andreas Wanka. Der Pfarrer von Rögling und Tagmersheim lobt die monatlichen Zusammenkünfte, die „theologisch, pastoral und spirituell bereichernd“ seien. Pfarrer Peter Hauf sieht das ähnlich: „Es ist schön, in vertrautem Kreis theologische Themen in den Blick zu nehmen.“ Was ihn darüber hinaus mit der Bruderschaft verbindet: Als gebürtiger Eichstätter habe er schon in jungen Jahren bei den einmal jährlich stattfindenden Bruderschafstandachten ministriert, erinnert sich Emsings Pfarrer.

Ort der Stärkung

Pater Gregor möchte den Priestern  einen Ort der gegenseitigen  Stärkung bieten. Oft seien Pfarrer immer die, „die nur geben müssen“. In der Fünf Wunden-Bruderschaft könnten sie „etwas für sich selbst tun“ und mitnehmen. Ruhestandsgeistlicher Blasius Meixner lobt die „vielen guten Gespräche“ bei den Bruderschaftstreffen. Zudem ist es ihm wichtig, „dass auch über den Tod hinaus jemand da ist, der an mich denkt“. In den Statuten der Bruderschaft nimmt das Toten- gedenken einen wichtigen Platz ein. Für jedes verstorbene Mitglied soll eine Andacht gehalten werden, ist dort nachzulesen. Ebenfalls findet sich der Hinweis, dass das Titularfest am ersten  Freitag nach dem Aschermittwoch gefeiert werden soll. Heuer kamen die Mitglieder dazu wieder an den Gründungsort zurück, in den  Willibaldschor. Dort findet sich über der Grablege des Bistumsgründers, des heiligen Willibald, eine Darstellung der Fünf Wunden. Bei ihren sonstigen monatlichen Treffen halten die Mitglieder der Bruderschaft Andacht in der  Borgias-Kapelle bei der Schutzengelkirche.

Die Statuten, die 1837 und 1895 nachgedruckt wurden, zählen neben dem Titularfest, das ursprünglich am Weißen Sonntag gefeiert wurde, auch vier weitere Feste auf, die die Bruderschaftsmitglieder begehen sollen: das Fest der Kreuzerhöhung, das Fest der sieben Schmerzen Mariens sowie die Namenstage Johannes des Evangelisten und des Apostels Thomas. Maria, Johannes und Thomas gelten als Patrone der Bruderschaft, weil sie alle eine Beziehung zu den Wunden Christi haben. Den Regularien folgt in den Büchern ein geistlicher Teil mit Gebeten und Texten, darunter der Fünf Wunden-Rosenkranz und das Stabat Mater.

Für Pater Gregor gehört es zu  seinem Ordensgelübde„ die fromme Verehrung und das dankbare Andenken an das Leiden und Sterben“ unter den Gläubigen zu fördern. Doch nicht nur das verbindet ihn spirituell mit seiner Aufgabe als Vizepräses: Als Ordensmann ließ er sich den heiligen fünf Wunden weihen und trägt den Zusatz in seinem Ordensnamen.

Das nächste Treffen der Fünf Wunden-Bruderschaft ist am  Freitag, 18. März, um 14.30 Uhr.

Andrea Franzetti, Kirchenzeitung Nr. 8 vom 21. Februar 2016

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