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Serie: Lebensfragen - Lebenshilfe

05.09.2014

Der feste Grund einer Partnerschaft

Im Jahr 2004 wurde das Wort Geborgenheit vom Deutschen Sprachrat und dem Goethe-Institut zum zweitschönsten Wort der deutschen Sprache gekürt. Nach Aussagen von Experten lässt sich das Wort schwer in andere Sprachen übersetzen. Entsprechungen gibt es nur in Sprachen, die dem Deutschen nahe verwandt sind, wie Niederländisch und Afrikaans.

Mit Geborgenheit beschreiben wir einen Zustand, in dem wir uns unbeschwert, sicher und zufrieden mit uns und der Welt fühlen. Das Bild von einem Ungeborenen im Mutterleib verdeutlicht sehr schön den Begriff Geborgenheit. Ein geborgenes Kind spürt, dass die Beziehung zu seinen Eltern tragfähig ist, dass sie es aushalten, wenn es sich auch einmal daneben benimmt. Niemals wird die unbedingte Liebe aufgekündigt. Die Bindungsforschung nennt dieses Erleben "sicher gebunden". Wenn Kinder sich geborgen fühlen, dann haben sie auch den Mut, Neues zu erproben, Wünsche zu äußern und Kontakt zu anderen aufzunehmen. Gleichzeitig entwickeln sie ein gesundes Selbstwertgefühl und lernen, sich anzunehmen.

Ähnlich wie die kindliche Entwicklung, baut auch eine gelingende Liebesbeziehung auf dem festen Grund der Geborgenheit auf. Im Folgenden dazu einige Gedanken von Theodor Bovet:

"Meine Geborgenheit", so der bekannte Schweizer Autor, "besteht konkret darin, dass ich glaube, meine Partnerin meint es gut mit mir. Sie sucht nach dem, was uns beiden gut tut. Sie will mich vor allem beschützen, was mir schaden könnte. Sie schafft den gesicherten Raum, in dem ich ich-selbst werden kann, so‚wie Gott mich gemeint hat". In seinem Buch "Die Ehe", von dem im deutschsprachigen Raum nahezu 850.000 Exemplare verkauft wurden, schreibt Bovet weiter: "Geborgenheit gibt einer dem anderen. Der Einzelne mag stark, mächtig und selbstsicher sein, geborgen ist man nur bei einem anderen. ‘Bergen’ heißt ursprünglich ‘in Sicherheit bringen’. Die ‘Burg’ ist dementsprechend der gesicherte Ort. Geborgenheit ist das Gewebe der Ehe. Ein Zeichen einer guten Ehe ist es, dass sich ein Ehepartner beim anderen geborgen fühlt und dass beide dadurch imstande sind, auch ihren Kindern Geborgenheit zu geben."

Lebendige Treue

Um bei unserem Partner das Geborgenheitsgefühl auszulösen, sind nach Ansicht des Autors fünf Voraussetzungen nötig: "Liebe: Wir fühlen uns bei einem Menschen geborgen, der uns liebt. Die Liebe zu einem Menschen gibt uns auch das Gespür dafür, was dieser konkret braucht.

Phantasie: Die rechte Geborgenheit zu schenken ist eine Kunst, und Kunst braucht immer Phantasie.

Humor: Wenn etwas schief geraten ist, wenn man gerade aufeinander böse werden wollte – gütiger Humor in diesen Situationen ist wohltuend. Solange der Partner lächelt, fühlt man sich geborgen, ist alles gut.

Zeit haben für den Anderen: Dies ist eine der wichtigsten Bedingungen der Geborgenheit. Der Partner kommt vor dem Hobby, vor der Buchführung, vor dem Reinemachen.

Treue: Sie bewirkt, dass wir unserem Partner unbedingt und jederzeit vertrauen können. Treue ist weitgehend vom Willen abhängig, vom einmal gefassten Entschluss und von der Entschiedenheit, mit der man an ihm festhält. Lebendige Treue, die man auch Beständigkeit nennen kann, fußt auf der Erkenntnis, dass die Liebe durch die Dauer nicht abgeschwächt, sondern im Gegenteil ständig vertieft und verstärkt wird."

Abschließend möchte ich Ihnen noch eine Strophe aus dem Liebeslied "Sommermorgen" von Reinhard Mey vorstellen. In wunderbarer Weise beschreibt der geniale Liedermacher das warme, zärtliche Gefühl der Geborgenheit: "Durchs off’ne Fenster dringt der Tag ins Zimmer, und Morgenlicht durchflutet schon den Raum. Ich spür’ dich neben mir, du schläfst noch immer und suchst ihn festzuhalten, deinen Traum. Wie gern hab’ ich es, neben dir geborgen, noch nachzudenken über dich und mich, wie gern mag ich die hellen Sommermorgen, wie lieb’ ich dich."

Dr. Gerhard Nechwatal, Kirchenzeitung vom 7. September 2014

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