Zum Inhalt springen

Serie: Lebensfragen - Lebenshilfe

01.08.2014

"Ich stehe zu meiner Entscheidung"

Woran erkennen Menschen, dass sie lieben? Von ihrem Verstand her bemerken die Zögerlichen, dass sie mutiger werden oder die Traurigen, dass sie wieder lachen können. Von ihrem Gefühl her bemerken Menschen, dass sie lieben, wenn sie in unendlich seliger Stimmung sind oder wenn sie sich nicht mehr über Dinge aufregen, an denen sie sich früher "festgebissen" haben. Körperlich bemerken Menschen, dass sie lieben, wenn ein Gefühl des Angekommenseins jede Zelle ihres Körpers füllt oder wenn sie lächeln, wenn ihr Partner zur Tür hereinkommt.

Ihre Liebe zum Partner erkennen Menschen aber auch anhand folgender Zeichen: Wenn sie sich auf einen schönen Abend gefreut haben, und ihr Partner nur müde ist. Wenn sie ihren Partner um einen Gefallen bitten, und er diesen vergisst. Wenn Sie schlaflos neben ihrem Partner im Bett liegen und ihn schnarchen hören. Zu diesen unangenehmen Zuständen der Liebe schreibt die von mir sehr geschätzte Münchner Autorin Sabine Asgodom in ihrem Buch mit dem kraftvollen Titel "Liebe wild und unersättlich!": "Ja, auch das sind Zeichen der Liebe. Wer liebt, macht sich verwundbar. Wer sich einem Menschen in Liebe rückhaltlos öffnet, bietet sein Innerstes dar. Und wird manchmal getroffen. Denn Liebe hat eine Schwester und die heißt Enttäuschung." Eine wichtige wissenschaftliche Erkenntnis, die uns helfen kann, mit bestimmten Liebes-Ernüchterungsphasen in der Partnerschaft umgehen zu lernen, möchte ich im Folgenden vorstellen.

Ich lege mich fest

Die australische Psychologie-Professorin Patricia Noller von der University of Queensland hat die weltweit wichtigsten Forschungsarbeiten der letzten Jahrzehnte über das Thema Liebe studiert und daraus grundlegende Voraussetzungen für eine gelingende Partnerschaft abgeleitet. Äußerst bedeutsam erschien ihr die Erkenntnis, dass Liebe nicht nur ein Gefühl ist, sondern auch eine bewusst getroffene Entscheidung für einen anderen Menschen enthält.

Hierfür steht das englische Wort "Commitment", das Bindung, ‘Sich festlegen’, ‘Sich selbst verpflichten’ und ‘Sich zugleich gegen andere Menschen entscheiden’ bedeutet. Die aktuelle Liebes-Forschung findet in letzter Zeit immer mehr Belege dafür, dass Commitment die Beziehung zwischen den Partnern nicht nur stabil und krisenresistent macht, sondern zugleich auch das Gefühl der Liebe fördert.

Anschaulich erläutert Sabine Asgodom das Commitment-Geschehen an folgendem Beispiel: "Carola T., 41 Jahre, hat es nicht leicht mit ihrem Mann. Er ist beruflich stark eingespannt, nimmt sich zu wenig Zeit für sie und die drei Kinder, ist gedanklich oft abgelenkt und überlässt ihr alles, was die sozialen Kontakte der Familie angeht. Von außen sieht sie wie das Opfer in dieser Beziehung aus. In einem Gespräch erzählt sie mir: ‘Ich wusste von Anfang an, wie ehrgeizig Georg ist. Diese Entschlossenheit hat mich ja auch an ihm fasziniert. Na klar habe ich es nicht immer leicht. Und natürlich ärgere ich mich manchmal über ihn. Aber ich habe mich entschlossen, seine Frau zu sein. Das verstehen nicht alle in meinem Bekanntenkreis. Und die Außenstehenden sehen ihn auch nur in einer Rolle. Ich erlebe ihn ja auch ganz anders’. Ihr Lächeln spricht Bände, und man erkennt die Liebe hinter der Entscheidung."

Abschließend noch eine Anmerkung: Wenn Sie einen Partner haben, den Sie lieben, geben Sie in den unvermeidlichen Liebes-Ernüchterungsphasen nicht zu schnell auf. Versuchen Sie sich in einer ruhigen Stunde an die erste Zeit des Kennenlernens zu erinnern. Was hat Ihnen damals an ihr, an ihm so gefallen? Wie hat sie, wie hat er Ihr Herz erobert? Erinnern Sie sich an Ihr "gemeinsames Lied". Hören Sie es sich wieder einmal an. Lassen Sie das Verbindende, das Gemeinsame, das Zärtliche, das Stärkende wieder wach werden.

Dr. Gerhard Nechwatal, Kirchenzeitung vom 3. August 2014

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de

Bezugspreise (ab Jan. 2021):
Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 8,80 €
(7,60 € einschl. 7 % MWSt. + 1,20 € Zustellgebühr);
durch die Post monatlich 9,55 €;
Einzelnummer 2,20 €.