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Serie: Lebensfragen - Lebenshilfe

01.05.2015

Kreativität in der Partnerschaft

Die Basis für die monatliche Erstellung dieser Kolumne über das spannende Zusammenleben in Partnerschaft und Ehe beruht letztlich auf der Kreativität des Autors. Da ich der Ansicht bin, dass Kreativität – neben ihrer Bedeutung bei der Erstellung von Texten, beim Malen von Bildern oder beim Komponieren eines Musikstückes – insbesondere bei der Gestaltung von Liebesbeziehungen eine äußerst wichtige Rolle spielt, möchte ich Ihnen im Folgenden einige Gedanken dazu vorstellen.

In einem Interview beschrieb Friedrich Dürrenmatt den Einfluss der Kreativität auf das Zusammenleben in einer Ehe einmal mit den Worten: "Ehe ist immer ein Kunstwerk. Für mich ist die Ehe ein kreativer Akt. Man versucht etwas zu schaffen. Ehe ist ein Rahmen, in dem ungeheuer viel Kreatives möglich ist". Interessanterweise verweist der bekannte Schweizer Schriftsteller und Maler auf den Umstand, dass gerade der verbindliche Rahmen der Ehe dazu einlädt, alle Kreativität auf die von diesem Rahmen vorgegebenen Möglichkeiten zu konzentrieren. Dies kann, so der Theologe und Psychologe Wunibald Müller, "mühevoll sein und zugleich auf spielerische Weise geschehen".

In der Psychologie versteht man unter Kreativität einen Persönlichkeitszug, der als Grundlage für produktive und schöpferische Leistungen dient. Prozesse des Entscheidens, Planens, Entwerfens, Erfindens und Umordnens spielen dabei eine Rolle. Ab der Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurde schrittweise damit begonnen, in den Ausbildungsinstitutionen die Kreativität von Schülern und Studenten systematisch zu fördern und in den Betrieben vermehrt das Augenmerk auf das kreative Potential des einzelnen Mitarbeiters wie auch auf die kreative Ideenproduktion in Arbeitsteams zu richten.

Befindet sich eine Partnerschaft nach dem Kennenlernen in der Verliebtheitsphase, so mangelt es den Liebenden meist nie an Kreativität. Einfallsreiche Geschenke werden ausgetauscht und pfiffige Ideen befördern das gemeinsame Liebesglück. Die gemeinsame Entwicklung eines kreativen Milieus in einer Partnerschaft stellt mit zunehmender Dauer des Zusammenseins eine wichtige Grundlage für eine gelingende Beziehung dar. Paarforscher sind sich einig: Die häufigsten Paarproblematiken heißen "Langeweile" und "Monotonie". In jeder Paarbeziehung gibt es ein Bedürfnis nach Abwechslung. Einfallsreich sein und bleiben heißt die Devise. Im Folgenden möchte ich Ihnen neun Tipps zur Aktivierung des Lebendigkeitsrepertoires in einer Partnerschaft vorstellen.

Neun Tipps

1. Religiöse und meditative Aktivitäten (Kirchenbesuche, spirituelle Aktivitäten, Meditation); 2. soziale Aktivitäten (Freunde treffen, diskutieren, gesellige Anlässe); 3. kulturelle und bildende Aktivitäten (Konzert- und Museumsbesuche, Reisen, Lesen); 4. künstlerische Aktivitäten (Musizieren, Schreiben, Malen); 5. körperliche Aktivitäten (Sport, Spaziergänge, Gymnastik); 6. passive Aktivitäten (Radio hören, Fernsehen, Sauna); 7. kulinarische Aktivitäten (gutes Essen, Wein, Restaurantbesuche); 8. zärtliche Aktivitäten (Zärtlichkeitsaustausch, sexuelle Aktivitäten); 9. eigenes Aussehen betreffende Aktivitäten (Friseur, Kleidereinkäufe, Kosmetik).

Abschließend möchte ich weniger auf die zahlreichen kreativitätshemmenden Faktoren wie Angst vor Versagen, Angst vor Bewertung, starre Problemlösungsvorgaben, Leistungsdruck, Zeitdruck, Perfektionismus, negative Einstellung, Konformitätsdruck und Stressbelastungen eingehen, sondern Sie noch auf zwei wichtige kreativitätsfördernde Faktoren hinweisen: Eine Voraussetzung für Kreativität in einer Partnerschaft ist die Flexibilität, sowohl dem Partner gegenüber wie auch – als innere Haltung – sich selbst gegenüber. Lieben, so der belgische Psychotherapeut Joris Dewispelaere, heißt auch "ständig in Bewegung bleiben". Eine weitere wichtige Voraussetzung hängt mit den jeweiligen Freiheitsgraden zusammen, die sich die beiden Partner ermöglichen. Den kreativitätsfördernden Geist der Freiheit in einer Ehe beschreibt Khalil Gibran in seiner Schrift "Der Prophet" mit folgenden wunderbaren Sätzen: "Lasst Raum sein in eurem Zusammensein. Und lasst die Winde zwischen Euch tanzen. Liebt einander, aber fesselt euch nicht mit eurer Liebe: Lasst sie eher wie ein wogendes Meer zwischen den Ufern eurer Seele sein".

Dr. Gerhard Nechwatal, Kirchenzeitung vom 3. Mai 2015

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